RKW 2017 Mittwoch 30.8. Miteinander zum Geschenk

Es ist unglaublich. Die Sonne scheint. Es ist ein wunderschöner Morgen. Der Morgentau liegt in der Luft. Beim Morgengebet schließen wir die Augen und spüren die leichte Ostseeluftbriese und atmen tief den Kiefernwald. Jeder Herzschlag kann so zum Gebet werden. Wir danken dem Schöpfer für diesen Morgen und bitten für diesen Tag:
Behüte uns Gott. Ich vertraue dir.
Du zeigst mir den Weg zum Leben.
Bei dir ist Freude, Freude in Fülle.

Nach dem Frühstück räumen die Ersten ihre Schlafsäcke und Isomatten zum Abtransport auf die Bank vor unserem Haus. Heute geht es nach dem Mittag, so der Plan, auf die andere Seite der Insel Usedom. Herr Meyer, einer der Gemeindekirchenräte der evangelischen Kirchengemeinde Kurmmin, Karlshagen, Zinnowitz, hat uns ermöglicht direkt am Achterwasser auf seiner Weide am Rande der Steilküste für eine Nacht zu zelten. Markus hat bei der nächtlichen Sitzung das Team auf die große Aufgabe eingeschworen und jedes Detail dieser abenteuerlichen Tour in die Natur geplant und in Erinnerung gerufen. Wir sind motiviert. Aber bevor es richtig losgeht, kommt der Bote und bringt wieder fünf Geschenkpakete, die wir in fünf Gruppen öffnen. Wieder war in jeder Gruppe ein neues Geschenk. Genauer gesagt, erzählen die Dinge in den Paketen, davon, was uns geschenkt ist. Als erstes natürlich das Leben, die Welt, der ganze Kosmos. Wir dürfen dieses Geschenk erkennen, dürfen es benutzen und gebrauchen, uns daran erfreuen und leben. Uns ist auch geschenkt, mit dem Schenker Gott in Kontakt zu kommen. Dieses Beten machen wir in den christlichen Kirchen richtig gut und gemeinsam. Das Vater unser ist dabei wohl das größte Geschenk. Wir haben sogar ein – so sagt man heute – copyright identity: das Kreuz. Es verbindet alle christlichen Konfessionen. Die Gestaltung und die Aussage jedes Kreuzes sind dabei sehr unterschiedlich. Alle Aspekte des Lebens werden darin dargestellt. Das Leiden des Todes und die Freude der Auferstehung sind dabei wohl die extremsten Situationen. Dazwischen findet unser ganzes Leben statt und findet im Kreuz seinen Ausdruck: Verbindung zwischen Erde und Himmel und den Menschen untereinander. Die beiden neusten Bibelausgaben erzählen von der unterschiedlichen Darstellung der gleichen Geschichte. Die protestantische und katholische Sichtweise des gleichen griechischen und hebräischen Textes in der deutschen Übersetzung überrascht zunächst und verwundert, ist aber bei genauer Betrachtung eine wunderbare Darstellung der Vielfalt unseres Glaubens und bereichert wirklich. Die Feier des Abendmahls ist ein großes Festmahl in der Liturgie der Heiligen Messe mit Kelch mit Wein und Schale mit Brot, dessen größtes Geheimnis für mich darin verborgen ist, dass dieses Mahl nicht nur unter uns stattfindet, sondern unsere Verstorbenen mit am „Tisch“ am „Altar“ sind. Dieses Mahl durchbricht die Wand des Todes und schafft eine Gemeinschaft, die größer ist als unsere Sinne es zunächst wahrnehmen. Auch wenn die verschieden Konfessionen im genauen Verständnis dieses Abendmahls noch einen Weg der gegenseitigen Akzeptanz und Anerkennung gehen, bleibt es ein Geheimnis, das das Leben selbst über den Tod hinaus feiert. In einem Paket liegt ein großer Rosenkranz als Geschenk und ein Siegel: die Lutherrose. Es ist das Professoren Siegel Martin Luthers. Natürlich ist es voller Symbolkraft und Aussage. Der Rosenkranz als katholische Gebetsschnur ist vielen vertraut, vielen aber auch nicht mehr. Wir arbeiten daran.

Uns Menschen ist natürlich viel mehr geschenkt als uns die Boten in ihren Paketen haben zu kommen lassen. Ein wahres Geschenk wird zum Geschenk wenn ich es wieder verschenke und es dadurch bei mir bleibt. Das ist das Geheimnis unseres Glaubens. Probieren Sie es aus. Sie werden sich wundern.

Zum Mittag wird Fischsteak mit Kartoffel und Sauce gereicht. Abgerundet wird das Menü durch Vanillepudding satt. So gestärkt geht es auf nach Lütow. In fünf Gruppen wandern wir los. Stunden später nach durchwanderten Wiesen, Wäldern, Feldern – vorbei an einer Ölpumpe (man könnte glauben wir sind im Wilden Westen) – kommt eine Gruppe am idyllischen WaldWiesenAchterwasseruferZeltplatz an. Markus hat vorgearbeitet und die Wiese gemäht. Die beiden SG20 Zelte werden aufgebaut, Holz fürs Feuer im Wald gesammelt, gebadet und die Zelte bezogen. Im Jungen und im Mädchenzelt dienen die Isomatten als eine große Matratzenfläche. Deutlich wird: Meine Isomatte hilft unseren Schlafplatz zu bauen. Die Glut kommt in ein Erdloch und wird zum Grill. Die Grillwurst im Brötchen ist das Abendbrot. Jeder hätte gut und gern noch eine Wurst verdrückt. Aber das zweite Ketschupbrötchen tut es auch. Alle werden satt. Die Sonne ist am untergehen. Wir versammeln uns am Feuer zum Abendgebet. Es wird ruhig. Dankgebete werden gesprochen. Es geht unter die Haut, was alles ausgesprochen wird. Wir singen:

Behüte mich Gott. Ich vertraue dir.
Du zeigst mir den Weg zum Leben.
Bei dir ist Freude. Freude in Fülle.

Gute Nacht lieber Gott. Amen.
 

RKW 2017 Mittwoch 30.8.